Am letzten Dienstag und Mittwoch fand unser Projekt-Workshop.
Wir teilten Lehrer und Klassenassistenten in zwei Gruppen, die jeweils an einem
Tag kommen sollten.
Ich kann sagen, es war wirklich höllisch anstrengend, diesen
Workshop zu halten! Einige Lehrer waren zwar sehr interessiert, aber der
Großteil der Belegschaft hatten ein Gesichtsausdruck drauf… Ständig standen
Leute auf, gingen zum telefonieren nach draußen oder redeten laut. Wir
starteten am ersten Tag um 10 Uhr. Bzw. um 10.30 Uhr, da die Lehrer, selbst,
wenn man sie dreimal auffordert hat zu kommen, erst nach einer Weile
angeschlichen kamen. Wir hätten unseren Workshop sicher bis 13.30 Uhr
(offizieller Schulschluss) beendet, so war es mit Mr. Otu auch abgesprochen. Um
11.30 Uhr wurden die Leute langsam nervös und teilten uns mit, dass sie um 12
Uhr gehen wollten. Es hat sich über das Jahr anscheinend inoffiziell
eingebürgert, dass man Mittwochs und Freitags die Schule schon 1 ½ Stunden
vorher verlässt. Da wussten wir nicht einmal was von! Wir machten also erst
einmal weiter, aber nach dem Coconut-Workshop, sind die ersten gegangen. Wir
gingen zu Mr. Otu, um zu fragen, ob wir die restlichen Punkte dann wann anders
besprechen sollten. Er sprach mit dem Kollegium, während wir draußen warten
mussten, und sie wollten auf keinen Fall länger bleiben. Also wurde der
restliche Workshop auf die nächste Woche verlegt. An diesem Tag dann kamen von
den 15 Lehrern in der Gruppe nur 5.
Der zweite Workshoptag lief generell besser, da die Gruppe
leiser war und wir schon um 9 Uhr, bzw. 9.15 Uhr starten konnten. Trotzdem
hatten wir bei beiden Gruppen nicht wirklich das Gefühl, dass irgendetwas von
der Idee angekommen ist: etwas zu produzieren, es zu verkaufen, sodass neues
Geld heran geschafft wird für neues Material, sodass ein Kreislauf entsteht und
die kontinuierliche Berufsausbildung der älteren Schüler gesichert wird.
Es wäre sicher angekommen, wenn die Lehrer nicht so abwesend
und unkonzentriert gewesen wären, denn wir haben es mehrmals betont. Wir haben
z.B. gesagt wir möchten abstimmen und haben dann zwei Möglichkeiten etwas zu
organisieren vorgeschlagen. Dann wollten wir abstimmen und jemand fragte
„Abstimmen?“. Wir haben also noch mal die zwei Möglichkeiten erklärt und
meinten dann, wenn es keine Fragen mehr zu den Möglichkeiten gibt, können wir
ja jetzt abstimmen. Ein anderer fragt: „Abstimmen?“. Wir haben die
Möglichkeiten, also noch ein drittes mal erklärt und gesagt „Wenn es keine
Fragen mehr gibt können wir ja jetzt abstimmen“. Es gab keine Fragen mehr, wir
fragten also „ Wer ist für die offene Liste?“ und jemand fragt „ Es gibt eine
offene Liste?“. Ich hoffe dieses Beispiel macht deutlich, wie frustrierend
dieser Workshop war!
An anderer Stelle, haben sich plötzlich alle Lehrer, obwohl
nur 2 nach vorne kommen sollten, über das Material, Fäden und Perlen her
gemacht. Wir haben jedem mehrmals erklärt, dass er das Material wieder
zurücklegen soll, denn sonst ist nichts mehr für die Schüler da und dann wäre
der Sinn verfehlt. Tina hat es tatsächlich einer Kollegin 5 mal gesagt, diese
nickte und machte sich weiter an dem Material zu schaffen. 5 mal! Dann hat sich
Tina umgedreht, weil jemand sie etwas gefragt hat und unsere nette Kollegin
geht mit Perlen und Faden in der Hand weg und will sie in die Tasche stecken.
Ich bin ihr hinterher gegangen und meinte ob sie mir bitte den Inhalt ihrer
Hand zurückgeben kann und sie gibt mir tatsächlich die andere Hand, indem sie
den Kokosnussanhänger hielt, den sie selbst gemacht hat und behalten durfte.
Ich sagte also „Nein, ich würde gerne die andere Hand sehen“. Sie machte ein
abfälliges Zungenschnalzen und gab mir die verdammt teuren Perlen zurück.
Am Ende des zweiten Workshoptages waren Tina und ich
dermaßen demotiviert! Weder Mr. Otu, der stellvertretende Schulleiter und
Ghanas bester Lehrer 2012, noch unsere Schulleiterin, oder mein Mentor Gyan,
waren beim Workshop. Das hätte dem ganzen vielleicht etwas an Wichtigkeit
verliehen und es wäre ernster genommen worden. Sehr enttäuschend war das! Wir
haben das auch sowohl Mr. Otu, als auch unseren Mentoren mitgeteilt. Sie
mussten etwas für die Schulleiterin erledigen und konnten deshalb nicht kommen.
Ist ja auch in Ordnung, die beiden müssen eben auch springen, wenn die
Direktorin „Hop“ ruft, aber dennoch ist es sehr enttäuschend, dass von der
Schulleitung so wenig Unterstützung kommt.
Darüber haben wir dann mit unseren Mentoren gesprochen und
nach einem gemeinsamen Gespräch mit der Schulleitung gefragt, denn sie war
bisher noch bei keinem Gespräch, was das Projekt betrifft, dabei und sie zeigt
deutlich, dass sie nicht begriffen hat, worum es eigentlich geht! Unsere
Mentoren sehen das anders und erlaubten uns nicht mit der Direktorin zu reden.
Obwohl ich davon nicht überzeugt bin, ermutigte mich jedoch dies: Gyan meinte,
es kommt ja sowieso auf die Klassenlehrer des Vocational Traktes an, die die
neuen Produkte herstellen. Ob die anderen Lehrer den Sinn des Projektes nun
verstanden haben oder nicht, das ist im Grunde egal. Solange Mr. Boadi, der
Schreinerlehrer, Md. Grace und Phillis, Lehrerinnen der Perlenklasse, Md.
Agnes, die Nählehrerin und Md. Mary, die Zuständige für das Projekt und
Lehrerin der Schusterklasse, motiviert und überzeugt sind, hat das Projekt eine
Zukunft! Und das sind sie!