Beschreibung

Hallo,

mein Name ist Isabel Unger. Ich bin 19 Jahre alt und habe mich entschieden ab August 2012 für ein Jahr in Ghana zu leben. Mein Wohnort wird die große Stadt Kumasi sein, in der mich eine Gastfamilie aufnehmen wird. Vor Ort werde ich im Rahmen des EMC-Ghana Projektes an der Garden City Special School, einer Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, arbeiten.

Auf diesem Blog werde ich Berichte vom Leben und der Arbeit in Ghana, sowie Fotos hochladen.

Viel Spaß beim Lesen, eure Isa

Mittwoch, 17. Juli 2013

31.5.13: Workshop-Tage




Am letzten Dienstag und Mittwoch fand unser Projekt-Workshop. Wir teilten Lehrer und Klassenassistenten in zwei Gruppen, die jeweils an einem Tag kommen sollten.
  
Ich kann sagen, es war wirklich höllisch anstrengend, diesen Workshop zu halten! Einige Lehrer waren zwar sehr interessiert, aber der Großteil der Belegschaft hatten ein Gesichtsausdruck drauf… Ständig standen Leute auf, gingen zum telefonieren nach draußen oder redeten laut. Wir starteten am ersten Tag um 10 Uhr. Bzw. um 10.30 Uhr, da die Lehrer, selbst, wenn man sie dreimal auffordert hat zu kommen, erst nach einer Weile angeschlichen kamen. Wir hätten unseren Workshop sicher bis 13.30 Uhr (offizieller Schulschluss) beendet, so war es mit Mr. Otu auch abgesprochen. Um 11.30 Uhr wurden die Leute langsam nervös und teilten uns mit, dass sie um 12 Uhr gehen wollten. Es hat sich über das Jahr anscheinend inoffiziell eingebürgert, dass man Mittwochs und Freitags die Schule schon 1 ½ Stunden vorher verlässt. Da wussten wir nicht einmal was von! Wir machten also erst einmal weiter, aber nach dem Coconut-Workshop, sind die ersten gegangen. Wir gingen zu Mr. Otu, um zu fragen, ob wir die restlichen Punkte dann wann anders besprechen sollten. Er sprach mit dem Kollegium, während wir draußen warten mussten, und sie wollten auf keinen Fall länger bleiben. Also wurde der restliche Workshop auf die nächste Woche verlegt. An diesem Tag dann kamen von den 15 Lehrern in der Gruppe nur 5.

Der zweite Workshoptag lief generell besser, da die Gruppe leiser war und wir schon um 9 Uhr, bzw. 9.15 Uhr starten konnten. Trotzdem hatten wir bei beiden Gruppen nicht wirklich das Gefühl, dass irgendetwas von der Idee angekommen ist: etwas zu produzieren, es zu verkaufen, sodass neues Geld heran geschafft wird für neues Material, sodass ein Kreislauf entsteht und die kontinuierliche Berufsausbildung der älteren Schüler gesichert wird.
Es wäre sicher angekommen, wenn die Lehrer nicht so abwesend und unkonzentriert gewesen wären, denn wir haben es mehrmals betont. Wir haben z.B. gesagt wir möchten abstimmen und haben dann zwei Möglichkeiten etwas zu organisieren vorgeschlagen. Dann wollten wir abstimmen und jemand fragte „Abstimmen?“. Wir haben also noch mal die zwei Möglichkeiten erklärt und meinten dann, wenn es keine Fragen mehr zu den Möglichkeiten gibt, können wir ja jetzt abstimmen. Ein anderer fragt: „Abstimmen?“. Wir haben die Möglichkeiten, also noch ein drittes mal erklärt und gesagt „Wenn es keine Fragen mehr gibt können wir ja jetzt abstimmen“. Es gab keine Fragen mehr, wir fragten also „ Wer ist für die offene Liste?“ und jemand fragt „ Es gibt eine offene Liste?“. Ich hoffe dieses Beispiel macht deutlich, wie frustrierend dieser Workshop war!
An anderer Stelle, haben sich plötzlich alle Lehrer, obwohl nur 2 nach vorne kommen sollten, über das Material, Fäden und Perlen her gemacht. Wir haben jedem mehrmals erklärt, dass er das Material wieder zurücklegen soll, denn sonst ist nichts mehr für die Schüler da und dann wäre der Sinn verfehlt. Tina hat es tatsächlich einer Kollegin 5 mal gesagt, diese nickte und machte sich weiter an dem Material zu schaffen. 5 mal! Dann hat sich Tina umgedreht, weil jemand sie etwas gefragt hat und unsere nette Kollegin geht mit Perlen und Faden in der Hand weg und will sie in die Tasche stecken. Ich bin ihr hinterher gegangen und meinte ob sie mir bitte den Inhalt ihrer Hand zurückgeben kann und sie gibt mir tatsächlich die andere Hand, indem sie den Kokosnussanhänger hielt, den sie selbst gemacht hat und behalten durfte. Ich sagte also „Nein, ich würde gerne die andere Hand sehen“. Sie machte ein abfälliges Zungenschnalzen und gab mir die verdammt teuren Perlen zurück.

Am Ende des zweiten Workshoptages waren Tina und ich dermaßen demotiviert! Weder Mr. Otu, der stellvertretende Schulleiter und Ghanas bester Lehrer 2012, noch unsere Schulleiterin, oder mein Mentor Gyan, waren beim Workshop. Das hätte dem ganzen vielleicht etwas an Wichtigkeit verliehen und es wäre ernster genommen worden. Sehr enttäuschend war das! Wir haben das auch sowohl Mr. Otu, als auch unseren Mentoren mitgeteilt. Sie mussten etwas für die Schulleiterin erledigen und konnten deshalb nicht kommen. Ist ja auch in Ordnung, die beiden müssen eben auch springen, wenn die Direktorin „Hop“ ruft, aber dennoch ist es sehr enttäuschend, dass von der Schulleitung so wenig Unterstützung kommt.
Darüber haben wir dann mit unseren Mentoren gesprochen und nach einem gemeinsamen Gespräch mit der Schulleitung gefragt, denn sie war bisher noch bei keinem Gespräch, was das Projekt betrifft, dabei und sie zeigt deutlich, dass sie nicht begriffen hat, worum es eigentlich geht! Unsere Mentoren sehen das anders und erlaubten uns nicht mit der Direktorin zu reden. Obwohl ich davon nicht überzeugt bin, ermutigte mich jedoch dies: Gyan meinte, es kommt ja sowieso auf die Klassenlehrer des Vocational Traktes an, die die neuen Produkte herstellen. Ob die anderen Lehrer den Sinn des Projektes nun verstanden haben oder nicht, das ist im Grunde egal. Solange Mr. Boadi, der Schreinerlehrer, Md. Grace und Phillis, Lehrerinnen der Perlenklasse, Md. Agnes, die Nählehrerin und Md. Mary, die Zuständige für das Projekt und Lehrerin der Schusterklasse, motiviert und überzeugt sind, hat das Projekt eine Zukunft! Und das sind sie!