Die ersten zwei Wochen in der Schule mussten wir leider ohne
Schüler verbringen. Da das Geld für das Essen der Internatskinder mal wieder
nicht pünktlich und ausreichend kam, haben die Lehrer der Sonderschulen
beschlossen zu streiken, indem sie die Schüler einfach nicht zurückkommen
ließen.
Diese zwei Wochen Ausfall waren unschön für unsere
Therapien, aber gut für unseren Projekt-Workshop, den wir täglich 8 Stunden
lang vorbereiteten. Wir schrieben Anleitungen, malten Vorlagen, planten,
sortierten Material für Ketten, laminierten alles und stellten Ordner zusammen.
In diesen zwei Wochen traf es meine Kollegin und Freundin
ziemlich hart. Sie wurde vom Arzt überzeugt ihr Kind (Louisa) im 7. Monat
abzutreiben, da es möglicherweise schwerstmehrfach behindert sein könnte. Dann
starb ihre beste Freundin, eine ehemalige Kollegin von der Garden City Special
School, ganz plötzlich und kurze Zeit später starb auch ihr Vater. Wir gingen
in diesen zwei Wochen also auch zur One-Week-Celebration und zur Beerdigung von
ihrem Vater. Es war eine muslimische Beerdigung und sie fand nicht an einem
Samstag oder Sonntag, wie die bisherigen Beerdigungen, statt. Außerdem tragen
Muslime hier beim Trauern keine schwarze Kleidung. Ansonsten gestaltete sich
diese Beerdigung, wie alle anderen auch. Um die Frau des Verstorbenen zu
begrüßen mussten wir allerdings in das winzige Haus hinein gehen. Sie saß mit
anderen Frauen im Schlafzimmer, wo ihr Mann, von Vorhängen umgeben, im Bett
lag. Trotz der Vorhänge konnte man Kopf und Füße sehen. Wir schüttelten allen
die Hände, bis auf der Witwe. Ihr darf man bei der Beerdigung des Mannes nicht
die Hand geben.
Am Ende der zwei Wochen wurde verkündet, dass die Schüler
endlich wieder kommen dürften. Ein Glück! Es wurde samstags ein PTA-Meeting
(eine Eltern-Lehrer-Versammlung) einberufen und mit dieser kamen auch die
ersten Schüler!