Beschreibung

Hallo,

mein Name ist Isabel Unger. Ich bin 19 Jahre alt und habe mich entschieden ab August 2012 für ein Jahr in Ghana zu leben. Mein Wohnort wird die große Stadt Kumasi sein, in der mich eine Gastfamilie aufnehmen wird. Vor Ort werde ich im Rahmen des EMC-Ghana Projektes an der Garden City Special School, einer Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, arbeiten.

Auf diesem Blog werde ich Berichte vom Leben und der Arbeit in Ghana, sowie Fotos hochladen.

Viel Spaß beim Lesen, eure Isa

Mittwoch, 13. Februar 2013

Frohe Weihnachten - Afe nhya paaa:


Mein Weihnachten war dieses Jahr etwas anders. Am 24. hat man noch nichts von Weihnachten gespürt. Auch wenn ich Anfang Dezember so sehr in Weihnachtsstimmung war, sie hielt leider nicht wirklich lange an. Ich habe Heiligabend größten Teils bei Tina verbracht. Wir haben draußen gesessen und Kakao getrunken. Abends, zurück in Asebi, wurde ich dann stinksauer, denn selbst an Weihnachten wurde meine kleine Schwester Abby mal wieder ohne guten Grund mit dem Rohrstock verprügelt. (Es fällt mir generell sehr schwer mit dem Thema Schlagen in der Familie umzugehen). Meine Wut legte sich etwas als ich später mit meiner Familie geskyped habe.
Morgens am 25. wurde der Flur/Essraum geschmückt. Alberta hat eine Girlande aus Filzherzen gebastelt und es wurden Luftballons aufgehängt. Nachmittags hat sich dann die ganze Familie zusammen an die zwei Tische gesetzt, mit Messer und Gabel Reis und Salat gegessen und alkoholfreien Sekt getrunken. Das ist noch nie vorgekommen! Wir essen eigentlich nie alle zusammen und erst Recht nicht drinnen am Tisch, sondern draußen auf dem Boden. Und mit Messer und Gabel wird für gewöhnlich auch nicht gegessen, sondern mit den Händen. Mich hat es ziemlich gefreut, dass wir mal alle zusammen saßen. Doch das Vergnügen war kurz, denn sobald die ersten Teller leer waren wurde abgeräumt und bevor alles wieder abgeschmückt wurde, habe ich noch mein Geschenk überreicht, einen Fresskorb mit Dingen, die sich die Familie normalerweise nicht leistet (wie z.B. Milch, Schokolade und Käse). Das war mein Weihnachten in Ghana. 


Dienstag, 12. Februar 2013

Reisemonat Dezember- Teil 6:


Sofort sind wir aufgebrochen in Richtung Kristo Buase zum Kloster. Um neun Uhr waren wir dort und wurden herzlich empfangen. Die Mönche freuten sich sichtlich, dass es uns bei ihnen so gut gefallen hat, dass wir schon ein paar Tage später wiederkehrten. Und wir waren auch überglücklich wieder im Kloster zu sein.
Bereits vor dem Mittagessen um 12.30 Uhr hatten wir Zeit die Ruhe zu genießen. Zum Mittagessen gab es leider Fufu mit Fischsoße und weder Fufu, noch Fischsoße gehört zu meinen Leibgerichten. Ich sagte aber natürlich nichts, man durfte ja sowieso nicht reden. Ich habe also versucht den riesigen Fufuklops in der Windeseile, in der die Mönche essen, herunter zu würgen. Aus dem Fufuklops fummelt man mit den Fingern kleinere Bällchen heraus, die man dann in die Soße tunkt und ohne zu kauen (es erregt bei vielen Ghanaern Ekel, wenn man anfängt Fufu zu kauen) herunter schluckt. Ich hab damit ein riesen Problem etwas ohne zu kauen herunter zuschlucken, vor allem wenn man nicht ordentlich Soße dazu nehmen kann. An diesem Nachmittag waren in der Soße leider so viele Geräten und undefinierbare Fischgedärme, dass ich nicht allzu viel davon nehmen wollte. Man sah mir die Anstrengung, die Fufubällchen herunter zuwürgen wohl an, denn die beiden jüngeren Mönche am Tisch hatten große Mühe nicht laut loszuprusten bei meinem Anblick. Das wiederum hat Tina an ihre Grenzen gebracht, sich das Lachen zu verkneifen. Seit diesem Nachmittag habe ich mit dem jungen Mönch, einen Insiderwitz übers Fufuessen. Generell macht das Leben mit den Mönchen ziemlich Spaß, denn sie sind die meiste Zeit ruhig, aber wenn sie mal was sagen, ist es entweder interessant und intelligent oder total witzig! Eine angenehme Gesellschaft! Nach dem Essen und einem kurzen Mittagsschläfchen bin ich durch den vorderen Garten spaziert. Danach wollte ich den schönen Weg durch den Macadamiawald außerhalb der Klostermauern erkunden. An diesem Weg steht eine Wasserpumpe. An dieser Pumpe war an dem Tag viel betrieb, denn im nahe gelegenen Tano Buase funktionierte die Wasserleitung gerade nicht. Als ich an der Pumpe vorbei lief, grüßten mich die Leute sehr freundlich und zurückhaltend. Auf dem Weg traf ich eine Großmutter mit ihrer behinderten Enkeltochter, die auf dem Weg zur Pumpe waren. Die beiden grüßten mich ebenfalls sehr, sehr freundlich. Auf dem Rückweg waren sechs andere Leute an der Pumpe, die mehrere Fässer auf einen Jeep luden. Diese Leute hatten gleich eine andere Tonlage und riefen viel aufdringlicher „Weiße, hallo wie geht’s?...“. Sie fragten mich einiges auf Twi und ich konnte auch immer antworten. Ich habe direkt gemerkt, dass sie nur eine Frage stellen wollten, die ich nicht verstand, um mich dann auslachen zu können und mir die Bedeutung natürlich nicht zu erklären. Diese Frage kam auch prompt und das Gelächter war groß. Dann stellte sich heraus, dass diese Leute gar nicht aus Tano Buase kamen, sondern nur aus Kumasi zu Besuch dort waren. Ich dachte mir nur: na klar, wo auch sonst sollten diese unfreundlichen und unemphatischen, auf Twi bestehenden Menschen wohl herkommen? Dort wurde mir mal wieder deutlich der Unterschied im Umgangston in den verschiedenen Regionen klar und ich beschloss für die nächsten 24 Stunden das Klostergelände nicht mehr zu verlassen. Den restlichen Nachmittag verbrachte ich mit Tina lesend oder Uno spielend auf der Terrasse oder chantend mit den Mönchen. Nach dem Abendessen fiel ich gleich viel entspannter ins Bett. Am nächsten Morgen um sechs Uhr bin ich zum Morgengebet und Chanten gegangen, gefolgt von der Messe und dem Frühstück. Nach einem letzten Spaziergang auf den Felsen im Klostergarten, sind wir noch vor der Sonntagsmesse aufgebrochen zurück nach Kumasi. 




Reisemonat Dezember – Teil 5:


Wir sind mit dem Taxi nach Techiman gefahren, was nicht länger als 20 Minuten gedauert hat. Dort haben wir uns in einem ziemlich ausgestorbenen Hotel direkt gegenüber der Bus- und Trotrostation einquartiert. Wir hatten ein eigenes Bad, einen Fernseher und Kühlschrank! Nach einer kurzen Mittagspause wollten wir uns etwas in der Stadt umsehen und ein Restaurant o.ä. finden, indem wir später essen wollten. Die Karte im Reiseführer war allerdings so schlecht gemalt, dass weder die Kreisverkehre und Banken, als auch die Restaurants an ihrem eigentlichen Platz standen. Und nein, dass lag nicht an meinen mangelnden Fähigkeiten eine Karte zu lesen. Diese Stadt war uns schon nach wenigen Minuten wieder zu stressig, sodass wir ohne Erfolg zum Hotel zurückkehrten. Dort an der Straßenecke gab es jedoch einen kleinen Stand wo man Reis kaufen konnte. Ein super Abendessen! Da es jedoch noch nicht Zeit fürs Abendessen war, sind wir zurück aufs Zimmer gegangen und haben ein paar Scheiben Brot mit Käse und Erdnussbutter gegessen und sind eingeschlafen. Als wir um 18 Uhr wieder hungrig aufwachten, waren wir zu faul, um noch einmal nach draußen zu gehen, weshalb wir wieder Brot aßen, um direkt weiter zu schlafen bis zum nächsten morgen.
Am nächsten Tag sind wir mit dem Trotro nach Buoyem gefahren, einem kleinen Dorf umgeben von Bergen und Urwald. Dort haben wir eine alte Frau nach dem Ranger gefragt und sie führte uns zu einem kleinen Fotoladen. Der junge Besitzer war neben Fotograph auch der Ranger und Touristenführer in dem Ort. Wir sagten ihm, dass wir gerne die Flughundhöhlen in den Tiefen des Urwaldes sehen würden. Diese Tour war aber leider nicht möglich, da zurzeit zu viele aggressive Bienen im Wald sind und man ihn nicht betreten sollte. Er wollte uns aber stattdessen zu dem African Rock und den zwei Wasserfällen führen. Er schloss seinen Shop und wir wanderten durch Felder bergauf zum African Rock. Dieser bekam seinen Namen durch eine Steinplatte, die davor gefunden wurde, welche die Form des afrikanischen Kontinentes hat. Übermütige Volunteers haben den Stein leider in 3 Teile zerbrochen, als sie ihn für ein Foto hochheben wollten. Auf der schrägen Fläche auf der diese Platte lag, stand ein gigantischer Fels, der aussah als ob er jeden Moment abbrechen und den Berg herunter kullern würde. Unser Ranger führte uns hinter diesen Fels und schaffte es tatsächlich uns zu überreden dort hoch zu klettern. Dort hoch zu gelangen war auch nicht so sehr das Problem, ich bezweifelte vielmehr, dass ich je wieder herunter kam. Aber erst einmal standen wir auf dem Fels und hatten eine gigantische Aussicht! Und herunter sind wir auch gekommen. Die Wanderung führte zurück ins Dorf und in die andere Richtung zu den Feldern. In mitten von Gräsern und Büschen führte ein kleiner Weg ein paar natürliche Steinstufen hinab und dort lag ein sehr kleiner Wasserfall, der trotzdem wunderschön war, da in dem Gebüsch, was den Wasserfall umrahmte, 1000 Spinnenweben waren. In diesen feinen Fäden haben sich die Wassertropfen verfangen und glitzerten in der Sonne.
Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es weiter die Berge hinauf zu dem großen Wasserfall. Dorthin gelangten wir über kleine Pfade, die sehr rutschig durch Staub und Steine waren. Dieser anstrengende Marsch lohnte sich jedoch, denn am Ende des Weges gelangten wir zu einer schmalen „Höhle“, die sich zwischen einer ca. 30m hohen Steinwand und hohen Bäumen mit Lianen bildete. An der Steinwand, die mit Fahn und Lianen bewachsen war, prasselte Wasser herunter, und glitzerte noch viel mehr in der  Sonne, die durch die Bäume schien. Dieser Ort war irgendwie unwirklich und wunderschön.
Die Tour war ziemlich anstrengend, aber hat sich auf jeden Fall gelohnt! Zurück im Dorf haben wir dem sehr netten und lustigen Ranger, der die meiste Zeit mit seinem Handy Musik gehört und mitgesungen hat, noch ein Trinkgeld gegeben, er hat uns eine Stelle gezeigt, wo man leichter ein Trotro bekommen kann, denn im Dorf fahren so selten Trotros, dass sich die Menschen darum prügeln einen Platz zu bekommen, und wir haben uns verabschiedet.
Wir waren schon früh am Mittag wieder in Techiman und sind nach einem kurzen Mittagsschlaf auf den großen Wochenmarkt gegangen. Dort fanden wir ein Paradies der Secondhandmode vor und haben uns mit Kleidern, Tüchern und T-Shirts eingedeckt. Auf dem Rückweg haben wir uns Reis am Stand an der Ecke gekauft und sind glücklich und erschöpft ins Bett gefallen. Leider konnten wir nicht wirklich ruhig einschlafen, denn unten im Hotelhof wurde eine riesige Geburtstagsparty gefeiert. Mit Büfett, DJ, und Blaskapelle. Die Boxen hatten einen dermaßen starken Bass, dass unser Bett vibriert hat, während unsere Ohren von der Musik, die direkt vorm Fenstern zu spielen schien, dröhnten. Um Mitternacht war die Party vorbei und wir konnten schlafen.
Am nächsten Morgen wollten wir nach Sunyani fahren, denn wir wussten, dass Freunde von uns eine Woche zuvor dort hingefahren sind zu einem Pool. Wir dachten es handelt sich dabei um den natürlichen Steinpool am Fuße eines Wasserfalles, den es in dieser Region gibt. Um uns nach der genauen Wegbeschreibung zu erkündigen, haben wir Jan angerufen, der uns erklärte, dass sie nicht zum Kintampo-Steinpool, sondern zu einem echten Pool eines Hotels gefahren sind. Dafür wollten wir uns allerdings nicht auf den mehrstündigen Weg nach Sunyani machen! Und Kintampo liegt nördlich von Techiman, da wir gerade erst von dort kamen, wollten wir auch dort nicht hinfahren. Die Kintampo-Wasserfälle besuchen wir einander mal. In näherer Umgebung um Techiman oder in Techiman hat uns im Reiseführer nichts wirklich angesprochen. Im Hotel wollten wir auch nicht noch eine Nach bleiben, das wäre zu teuer gewesen. Und ein Tag früher zurück nach Kumasi wollten wir auch nicht. Wir haben uns also hingesetzt und uns überlegt auf was wir denn am meisten Lust hätten. Dabei stellte sich heraus, dass wir immer noch einfach nur Ruhe haben wollten. Deshalb riefen wir Bruder Gabriel, dessen Nummer wir inzwischen hatten, an und der meinte, dass die Zimmer wieder frei wären und wir gerne vorbei kommen konnten. Er machte sogar eine Ausnahme, da die Mönche eigentlich ab dem 22.12. keine Gäste mehr empfangen wollten. 





Reisemonat Dezember – Teil 4


Nachts um vier Uhr haben wir uns, wieder zusammen mit den Holländern, auf den Weg nach Tamale gemacht. Um vier Uhr fährt nämlich der einzige MMT am Tag vom Mole Park Richtung Tamale. Zunächst waren wir die einzigen Menschen im Bus und ich habe mich gefreut und dachte vielleicht kann man sich tatsächlich mal ausbreiten und auf den Sitz legen und schlafen! Ich bin dann auch schnell eingeschlafen, obwohl ich so sehr gefroren habe, denn nachts ist es im Norden Ghanas durchaus kalt und außerdem waren alle Fenster im Bus offen. Als ich kurze Zeit später wieder aufwachte, war der Bus plötzlich voll und ich musste meine beschlagnahmten drei Plätze leider räumen. Bald schon waren alle Sitz- und Stehplätze belegt und man saß mal wieder gequetscht wie eine Flunder. Diese Fahrt war wie die Hinfahrt ein kleines Abenteuer, denn der rote Staub von den Straßen bließ durch den ganzen Bus. Die Ghanaer hatten sich ihre Stofftaschentücher um das Gesicht gebunden, sodass sie den ganzen Staub nicht einatmeten und wir taten es ihnen gleich. Zudem waren wir eh schon sehr vermummt mit Pulli und Schal um den Kopf, um uns vor der Kälte zu schützen.
Auf halber Strecke musste ich plötzlich ganz dringend mal pinkeln und wurde von Minute zu Minute verzweifelter. Plötzlich hielten wir in einem kleinen Dorf um irgendjemanden raus zu lassen und als auch andere aufstanden um sich kurz zu entledigen, dachte ich mir, nutze ich die Chance. Ich bin auf die nächst beste Dorffrau zu gerannt und habe gefragt wo ich denn wohl hinpinkeln könnte. Sie hat mir ein Korbgeflecht gezeigt. Dieses Geflecht war so etwas wie die Dorftoilette. Es war hüfthoch und in einem Halbkreis aufgestellt. Der Boden, der von Kot und Urin voll gesogen war, war mit etwas Stroh bedeckt. Dies war übrigens die Frauentoilette. Ungeschickter Weise war die Männertoilette, eine ein Meter hohe Mauer, direkt hinter der Öffnung zur Frauentoilette gebaut worden, sodass jeder der grad gegen die Wand pinkelt, den entblößten Hintern der Frau im Korbgeflecht bewundern kann.
Das war mir in diesem Moment jedoch egal und nachdem sich eine Frau ganz dreist vorgedrängelt hat, habe ich die zweite die sich vordrängeln wollte, zur Seite gedrängt und bin ins Korbgeflecht gehuscht.
In Tamale angekommen, waren unsere Stofftaschentücher Rot, unsere Kleidung auch und die krausen Haare der Ghanaer erst recht. Auch dort haben wir, während wir auf den MMT Bus nach Kumasi gewartet haben, eine neue Art öffentlicher Toilette kennen gelernt. Zuerst hat sich Tina auf die Suche nach einer Toilette gemacht. Ein junger Mann war ihr netterweise dabei behilflich. Er hat sie aber leider auf das Toiletklo geführt, was 50 Pesewas kostet. Während Tina unterwegs war, wurde ich von einem Mann angesprochen. Er wollte unbedingt mit mir über die Bibel sprechen, hat mich angefahren, warum ich ihm denn jetzt grad kein Bibelvers zitieren kann und was für ein Mensch bin. Daraufhin hat er seine Bibel geholt und mir eine Predigt gehalten. Ich habe ihm mit all meiner Gestik und Mimik versucht klar zu machen, dass ich darauf gar keine Lust habe. (Man muss bedenken, dass wir gerade auf dem Weg ins Kloster waren, um einfach mal Abstand von Menschen und Lärm zu bekommen.) Er hat es wohl verstanden und mir gesagt, ich solle ihm doch bitte einfach sagen, wenn er gehen soll. Ich sagte also: Gut. Bitte geh! Dass ich das tatsächlich ausgesprochen habe fand er dann aber so empörend, dass er sich noch zwei Minuten aufregen musste. Gegangen ist er dann aber trotzdem nicht, sondern hat einfach nur das Thema gewechselt. Endlich kam Tina wieder und ich konnte mich auf die Toilettensuche begeben. Ich habe nach Tinas angewidertem Gesichtsausdruck beschlossen eine andere Toilette, als sie benutzt hat, zu suchen. Wenn es ein Toiletklo gab, musste es bestimmt auch ein Urinalklo geben. An dieser Stelle muss ich erklären, dass die Klos für Kot und Urin fast immer getrennt sind. Das Urinalklo war auch gar nicht schwer zu finden und hat nur 10 Pesewas gekostet. Diese Öffentliche Toilette war wie ein kleines Haus ohne Dach, dessen Mauern mir ungefähr bis zu den Schultern reichten. Der Raum war in verschiedene Kabinen ohne Tür aufgeteilt. Es gibt keinen Toilettensitz und auch kein Loch im Boden, aber der Boden in den Kabinen ist ganz leicht abgesengt, sodass der Urin zu einem kleinen Loch in der Wand fließt. Das Toiletklo ist genauso aufgebaut. Kein Wunder, dass Tinas Blick so angewidert war.
Der Mann, der mir die Predigt gehalten hat, kam uns zunehmend verrückter vor und daher waren wir auch zunehmend netter und verständnisvoller mit ihm. Er saß dann auch im Bus nach Kumasi vor uns und hat uns und alle um uns herum verrückte Dinge erzählt. Nach einer langen Busfahrt wurden wir in Tano Buase raus gelassen und haben von dort aus ein Taxi nach Kristo Buase zum Kloster genommen. Zum Kloster fuhr man von der großen Straße ab und einen endlos lagen Weg durch ein Wäldchen mit Macadamiabäumen. Allein dieser Weg hat schon eine solche Ruhe ausgestrahlt, dass wir uns tierisch auf die nächsten Tage im Kloster gefreut haben. Als wir von Bruder Gabriel empfangen wurden, hat uns dieser leider mitgeteilt, dass nur für eine Nacht noch Zimmer frei seien und wir morgen das Kloster verlassen müssten. Schade, aber wir hatten uns ja auch nicht vorher angemeldet, wir hatten keine Telefonnummer. Den restlichen Nachmittag haben wir auf der Terrasse verbracht, haben heiße Schokolade getrunken, die man sich selbstständig in der Küche machen konnte, und haben den Blick auf den Klostergarten genossen. Dieser Garten ist riesig, verschlungen und wunderschön! Das Kloster liegt mitten in einer Region, in der verrückt aussehende, riesige Steinfelsen aus dem Boden ragen. Dazwischen wachsen Mango- und Sternfruchtbäume und die schönsten Blumen.
Der Tagesablauf im Kloster ist sehr streng und um Punkt 18.30 Uhr mussten wir zum Abendessen erscheinen. Wir durften zusammen mit den Mönchen essen. Die Mahlzeit nimmt man im Schweigen ein, während jemand vorliest oder Musik gespielt wird. Die Bücher aus denen gelesen wird, sind Bücher die von der Kolonialzeit berichten, Sachbücher über bestimmte Themen z.B. das Chanting oder Reiseromane. Vor dem Essen stellt man sich hinter seinen Stuhl und es wird gebetet. Ebenso nach dem Essen. In den wenigen Minuten dazwischen, nimmt man sich das Essen aus Schalen, die in der Tischmitte stehen. Der ranghöchste Mönch darf als erster zugreifen und die Gäste als letzte. Dann verschlingt man in gefühlten zwei Minuten seine Mahlzeit (ich habe noch nie Menschen so schnell essen sehen wie diese Mönche!) und sobald der Teller leer ist, wird er auch schon abgeräumt. Danach haben wir alle zusammen gespühlt. Das Essen im Kloster ist ganz lecker, nur leider nicht vegetarisch, was ich natürlich niemandem vorwerfen möchte.
An diesem Abend sind wir schon sehr früh auf unsere Einzellzimmer mit Dusche verschwunden und haben geschlafen, das lag zum einen an der Erschöpfung von der Reise und zum anderen daran, dass um 19.30 Bettruhe im Kloster herrscht.
Am nächsten Morgen sind wir schließlich auch früh aufgestanden, um pünktlich um 6 Uhr beim Morgengebet zu sein. Das Morgengebet besteht aus einem halbstündigen Chanten. Chanten kannte ich bisher ehrlich gesagt nur aus den indischen Ashrams, aber auch in der katholischen Kirche wird es praktiziert. Man liest Bibelverse in einem sich immer wiederholenden Singsang. Das hörte sich für mich am Anfang irgendwie gruselig an, was wohl an den ganzen Krimis und Horrorfilmen liegt, die in katholischen Kirchen spielen. Mit der Zeit habe ich wirklich gefallen am Chanten gefunden.
Um sieben Uhr haben wir an einem einstündigen Gottesdienst teilgenommen. Danach gab es Frühstück. In den folgenden Stunden haben die Mönche die Bibel und andere Literatur studiert und sind ihren alltäglichen Aufgaben, wie z.B. gärtnern, nachgekommen. In dieser Zeit habe ich einen Spaziergang durch den Garten gemacht, bin auf den bis zu 30 m hohen Felsen herumgelaufen und habe dort gelesen. Nach dem Mittagessen mussten wir leider weiter ziehen, denn die neuen Gäste wurden erwartet. 




Samstag, 9. Februar 2013

Reisemonat Dezember – Teil 3



Am nächsten morgen sind wir also mit den Holländern schon um sieben aufgebrochen. In zwei Taxis wurden wir abgeholt, denn die  Schwester des einen musste nach Tamale und wir hätten nicht zu fünft in ein Taxi mit den Rucksäcken gepasst. Wir wurden nach Techiman gefahren. Mitten auf dem Weg hat unser Fahrer angehalten und mit dem anderen geredet. Dieser hatte nämlich gar keinen Führerschein und vor Techiman ist eine Polizeikontrolle. Deshalb wollte er davor stehen bleiben und unser Fahrer sollte, nachdem er uns zur Station gebracht hat, zurück fahren und die anderen einsammeln. Aus diesem Grund haben wir dann ein Trotro nach Tamale bekommen, was bereits voll war als die anderen eintrafen. Nachdem ich bei einer sehr netten Frau Brot gekauft hab, die mir auch gleich das Klo in einem Vorgarten gezeigt hat und mir sogar ein Wasserbeutel dazu geschenkt hat zum Hände waschen, sind wir die 6 oder 7 Stunden Richtung Norden nach Tamale gefahren. Wir haben uns dagegen entschieden, schon vor Tamale an der Straße die zum Mole Park führt herausgelassen zu werden, so wie es die Holländer vorhatten. Es heißt, dass dort nicht so viele Trotros herfahren, die noch freie Plätze haben und andere LKWs und Autos würden nicht gerne Leute mitnehmen. Also dachten wir nehmen wir den 1 ½ stündigen Umweg und fahren erst nach Tamale.
Dort hat uns ein netter Junge das Trotro nach Wa gezeigt, denn uns wurde gesagt, sonntags fahren keine MMT Busse am Nachmittag. MMT Busse fahren nämlich direkt bis zum Mole Park. Da man ja hier gar nicht anders kann, als Fremden zuvertrauen, sind wir ins Trotro nach Wa eingestiegen. Dort saßen wir geschlagene fünf Stunden, denn Trotros fahren erst los, wenn sie voll sind. Es war bereits nach 17 Uhr als wir losfuhren und wir wussten, dass wir nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit in Damongo ankommen würden. Die drei stündige Fahrt war sehr interessant, denn wir sind erst in den Sonnenuntergang gefahren und dann im Stockfinsteren an winzigen Dörfern aus runden Lehmhütten vorbei, in denen das einzige Licht von Lagerfeuern kam. Zwischendurch sind wir an brennenden Grasfeldern vorbei gefahren, denn zurzeit ist Trockenzeit. Während dieser Fahrt habe ich an unserem Plan immer größere Zweifel gehabt, denn an einem dieser Dörfer mitten im Busch mitten in schwärzester Dunkelheit  wollte ich nicht aussteigen. Außerdem mussten wir von Damongo auch noch zum Mole Park kommen, auch wenn man uns im Mole Motel eine Nummer von einem Taxifahrer gegeben haben…man weiß ja nie ob der dann auch kommt. Außerdem kann man keine Betten reservieren, sondern muss mehr oder weniger auf Gutglück dorthin fahren. Ich saß also in dem Trotro, was über schlechte Straßen holperte und habe bei jedem Dorf gehofft, dass es nicht Damongo ist. Plötzlich kamen wir zu einem etwas größeren Dorf, wo es eine Straßenlaterne gab. Das war Damongo und ich war heilfroh nicht irgendwo in der Pampa raus gelassen zu werden. Wir haben dann den Taxifahrer angerufen und ein Haufen Geld dafür bezahlt, dass er uns zum Mole Motel fährt. Um 21 Uhr sind wir völlig fertig angekommen, haben den Dorm, ein Sechbettzimmer bezogen, ein bisschen Brot gegessen und sind direkt ins Bett gefallen. Am nächsten Morgen ging es ja schließlich schon um 7 Uhr los zur Safari. Wir sind in einer Gruppe von sieben Leuten und einem Ranger los gelaufen, haben wunderschöne Landschaften, Antilopen, Krokodile, Wildschweine und verrückte Vögel gesehen. Leider konnten wir die Geräusche der Savanne nicht so sehr genießen, denn wir hatten ganz schöne Quasselstrippen in der Gruppe, die meinten lauthals telefonieren und singen zu müssen. Kein Wunder, dass wie nicht mehr Tiere gesehen haben. Nach der dreistündigen Wanderung und einem inklusiven Frühstück musste ich mich noch einmal hinlegen. Unser Mittagsessen bestand aus dem Brot, was wir in Techiman gekauft hatten und Käse und Erdnussbutter, die wir mitgebracht hatten. Um 15.30 Uhr sind wir dann zu einer Autosafari aufgebrochen, bei der wir auf dem Dach eines Jeps saßen. Den Großteil der Tour sind wir allerdings gelaufen, durch Dickicht und Bäche auf der Suche nach einem Elefanten. Der Ranger, der uns diesmal begleitete, hat ein Glück nicht zugelassen, dass die Quasselstrippen vom Morgen, wieder so viel reden. Sonst hätten wir auch den Elefant verscheucht, den wir schließlich gefunden haben. Es ist echt unglaublich ein so riesiges Tier friedlich in freier Wildbahn zu sehen. Er sah einfach unglaublich mächtig und weise aus. Am meisten hat mich beeindruckt, wie er über dem Boden zu schweben schien, denn ich dachte so Elefantenfüße trampeln ganz ordentlich, aber er ist so gleichmäßig und lautlos über den Boden geglitten wie eine Fee. Total verrückt, einen Elefanten mit einer Fee zu vergleichen. Wir sind ihm dann eine Weil in gewissem Abstand nachgelaufen und als die Sonne schon sehr tief stand sind wir mit dem Jep zurück gefahren. Am nächsten Tag haben wir ausgeschlafen und am Pool gelegen. Als uns dort zu viel los war durch die ganzen Touris, haben wir uns auf die Terrasse von unserem Zimmer gelegt, denn dort hatten wir einen ähnlich gigantischen Blick über die Savanne, wie vom Pool aus. Am Nachmittag bin ich ohne Tina wieder zu einer Wanderung aufgebrochen. Diesmal war die Gruppe sehr klein, wir waren zu dritt plus Ranger. Das Mädchen kam aus den USA und ist zur Zeit in Ghana als Volunteer und hatte gerade Besuch von ihrem Freund aus Alaska. Die beiden waren wirklich sehr nett und vor allem ruhig! Der Ranger war auch großartig. Er war ebenfalls sehr ruhig, hatte aber viel Ahnung. Man hat gemerkt, wie sehr er die Savanne und vor allem die Vögel dort liebt. Ein ganz netter Kerl. Wir sind zuerst zum Wasserloch gegangen, wo wir Krokodile ganz nah an der Wasseroberfläche und auch an Land sehen konnten. Ein Krokodil konnten wir sogar beim Jagen beobachten. Wir haben wieder Antilopen gesehen und sind frischen Elefantenspuren gefolgt. Und zwischen dichtem Gebüsch hat uns plötzlich ein Elefantenauge angeschaut. Auf der anderen Seite des Gebüsches ließ sich das riesige Tier ungestört beim Essen beobachten. Am Ende der Tour sind wir mitten durch ein Pavian Revier gelaufen. Die riesigen Tiere, haben mit einander gespielt, die Kinder gefüttert und ein riesiger Pavian hat eindeutig meditiert. Wir sind mitten durch diese Pavianfamilie durch gelaufen und sie haben uns einfach nur beobachtet. Das war unglaublich. Ich war so froh noch einmal eine Tour gemacht zu haben, denn diesmal konnte man die Geräusche der Savanne toll hören. Am Abend haben wir erst in dem günstigeren Restaurant, was eigentlich die Kantine für die Ranger ist, gegessen. Es ist nicht im üblichen Sinne ein Restarant sondern mehr eine Feuerstelle, wo gekocht wird, und drum herum sind ein paar Tische und Stühle. Wir hatten mittags schon Erdnusssuppe mit Reisball (mein Lieblingsgericht) OHNE Pepper, also Schärfe, bestellt. Leider bekamen wir eine Suppe mit verdammt viel Pepper, die ich zu meinem großen Bedauern nicht aufessen konnte, da mein Magen sich bei solcher Schärfe umdreht und verkrampft. Schade um die gute Erdnusssuppe… Später saßen wir dann noch im Motelrestaurant draußen und haben mit den zwei Holländern Uno gespielt. Das waren wirklich lustige Kerle und total betrunken. Wir haben generell sehr nette Menschen kennen gelernt. Mit uns im Dorm haben zwei ältere Französinnen gewohnt, die eine reist gerade einige Monate allein durch Westafrika und die andere hat sie gerade besucht. Außerdem haben wir eine Medizinstudentin aus den Niederlanden kenne gelernt, die hier im Krankenhaus gearbeitet hat und gerade Besuch von ihrem Bruder hatte. Die beiden waren wirklich sehr sympathisch. Und wir haben eine ältere Deutsche kenne gelernt, die hier seit vielen Jahren lebt, denn ihr Mann ist als Soldat hier stationiert. Sie hatte gerade Besuch von einer Freundin aus den USA, die nach einer langen Safari in Namibia noch mal in Ghana vorbei geschaut hat. Außerdem haben wir eine lustige Familie aus England kennen gelernt. Die Frau hat mich total an Molly Wisley erinnert. Sie und ihr Mann arbeiten in Accra als Lehrer, ihre zehnjährige Tochter geht dort zur Schule und ihr 20jähriger Sohn war gerade zu Besuch da.















Sonntag, 20. Januar 2013

Reisemonat Dezember – Teil 2


Am 14., unserem ersten Ferientag, sind Tina und ich nach Nkoranza nördlich von Kumasi gefahren. Dort haben wir Jan und Julia im PCC Project besucht. Am ersten Abend sind wir mit Julia in die Stadt gelaufen, um noch etwas zu essen. Brot mit Ei. Danach sind wir noch in eine Bar auf einem Dach gegangen. Dort haben wir es allerdings nicht lange ausgehalten, denn kaum saßen wir, kamen aufdringliche Männer, die sich einfach dazu gesetzt haben. Der erste Kerl, der mit Julia gesprochen hatte, meinte dann zu Tina, die grad SMS geschrieben hat, sie solle sich doch bitte auf das konzentrieren was er erzählt. Ha, haben wir ihn etwa eingeladen sich zu uns zu setzten und uns einen zu erzählen. Daraufhin habe ich mein Handy auch rausgeholt und wild SMS geschrieben. Was fällt dem ein? Und dann hat er einfach nicht akzeptiert, dass Julia ihm ihre Nummer nicht geben will, was ja durch aus üblich ist. Aber seine Argumentation, dass er ja auf dem Krankenhausgelände wohnt und er deshalb ihre Nummer braucht, war auch eher undurchsichtig. Er wurde dann auch richtig aggressiv und Tina, auf Konfrontationskurs, hat dann angefangen mit ihm zu diskutieren. Währenddessen kam ein weitere Kerl, der sich neben mich setzte und die ganze Zeit mein Arm betatscht hat. Nach dem üblichen Smalltalk haben Julia und ich weiter geredet über die Schule. Er meinte dann wie unhöflich wir sind, dass wir deutsch reden. Na klar ist das unhöflich, aber haben wir ihn eingeladen sich zu uns zu setzten? Ich meinte dann, ich kann Julia, dass was ich erzähle auch auf Englisch erzählen, dann kann er zuhören. Nach einem Satz, den ich auf Englisch gesagt hatte, unterbricht er mich und meint sich noch mal genauer vorstellen zu müssen, wo er denn her kommt und zur Schule gegangen ist usw. Ab dem Zeitpunkt war das Gespräch für mich vorbei, ich habe mein Handy wieder rausgeholt und SMS geschrieben, denn Julia wollte anscheinend mit ihm reden. Ich hätte ihm ja gern gesagt wie unhöflich ich ihn finde, unser Gespräch, was wir nun schon extra auf Englisch führen, da er ja so gern zuhören wollte, einfach zu unterbrechen. Aber gut. Dann kam ein weiterer Kerl, der sich zu mir setzte, der aber wirklich ganz nett war und mir Musik auf seinem Handy zeigte. Als Tina dann von einem der Kerle begrapscht wurde, sind wir gegangen.
Am nächsten Tag sind wir dann nach Buabeng Fiema gefahren. Dort gibt es einen Wald in dem viele Affen leben. Diese Affen leben friedlich mit den Menschen zusammen, was auf eine alte Sage zurück zu führen ist: Es gab wohl einen „Fetisch“, eine irgendwie dargestellte Gottheit, die die Menschen vor langer Zeit im Fluss gefunden haben. Sie haben den Fetisch, der den Affen gehörte, mit ins Dorf genommen. Die Affen kamen von nun an ständig ins Dorf um ihre Gottheit zurück zu holen, dabei wurden sie attackiert und getötet. Plötzlich hat die Gottheit zu Menschen und Affen gesprochen, dass die Menschen den Fetisch entweder zurück geben können und die Affen sie von nun an in Ruhe lassen werden oder, dass sie den Fetisch behalten und die Affen von nun an Willkommen heißen sollen. Die Menschen entschieden sich für letzteres und seitdem kommen, die Affen jeden Morgen und jeden Abend je eine Stunde ins Dorf und wollen von den Menschen essen holen. Außerdem sagt man, dass, wenn die Affen 7 Tage infolge nachts von 1-3 Uhr Lärm machen, ein Mensch im Dorf sterben wird.
Die Menschen haben den Affen sogar einen Freidhof im Wald angelegt, denn die Affen kommen zum sterben ins Dorf.
Durch diesen schönen Wald voller Ficusse und Blumen haben wir dann eine geführte Tour mit einem netten alten Mann gemacht und haben die Affen mit Bananen gefüttert. Das war ein schöner Ausflug, Affen könnte ich auch stundenlang beobachten.
Auf dem Rückweg haben wir direkt unser Abendessen an einem Straßenstand geholt. Reis. Am Abend haben wir im PCC noch zwei Holländer getroffen, die zufällig am nächsten morgen zum Mole Park aufbrechen wollten, wo wir ja auch hinwollten. Denen haben wir uns dann spontan angeschlossen.





9.1.13: der Reisemonat Dezember – Teil 1



Der Reisemonat Dezember begann am 6.12. mit einer Reise nach Cape Coast. Dort haben Tina und ich uns mit Magda und Franzi, die mittlerweile in Busua wohnt, getroffen. Nach der Schule sind wir aufgebrochen und dementsprechend spät angekommen. Um ca. 20 Uhr waren wir in Cape Coast, haben unsere Taschen auf das wunderschöne Zimmer im Baobab Guesthouse gebracht und sind zu Magda und Franzi gelaufen, die bereits im Oasis, einer Strandbar, saßen und gegessen haben. Dort haben wir dann auch meinen Geburtstag reingefeiert. Das war total schön! Ich hab sogar einen Schokokuchen mit Kerzen bekommenJ. Am nächsten morgen bei einem Pfannkuchen-mit-Banane-und-Schoko- Frühstück habe ich sogar noch Geschenke bekommen! Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet, super lieb! Und der nette Kellner hat mir ein Geburtstagsständchen gesungen und mich den Rest des Tages nur noch Happy genannt (wegen Happy Birthday). Wir haben den ganzen morgen auf dem gemütlichen Balkon mit Meerblick gesessen, gelesen und gequatscht. Nachmittags haben wir uns an den Strand gelegt, waren ein bisschen an den Straßenständen schoppen (ich habe ein wunderhüsches Muschelmobile gekauft) und haben lecker zu Abend gegessen. Eigentlich hatte das Restaurant geschlossen, da es der Tag der Präsidentschaftswahlen war (wozu ich später noch etwas schreiben werde), aber die Volunteers, Gloria, aus Bochum, und Julius, die im Baobab arbeiten, haben uns etwas gekocht. Super nett! Ich hatte eine leckere Erdnusssuppe mit Reisball, Gemüse und Tofu.
Nach dem Essen waren wir alle sooo voll gefuttert, dass wir auf dem Balkon, wo Sofas stehen, eingeschlafen sind. Glücklicher Weise konnte uns Tina dann noch alle motivieren feiern zu gehen. Wir waren wieder im Oasis, der Strandbar, wo freitags total viel los ist. Wir hatten ein tollen Abend, haben was getrunken, getanzt und nette Leute kennen gelernt. Den nächsten morgen musste ich dann leider verkatert im Bett verbringen, ich bin ja gar kein Alkohol mehr gewöhnt. Am Nachmittag mussten Magda und Franzi schon abreisen, Tina und ich hingegen haben uns das Cape Coast Castle angeschaut. Eine der vielen Sklavenburgen an Ghanas Küste. Wir hatten eine Führung durch das Gebäude, durch die riesigen und dunklen Kellerräume, wo die Sklaven zu tausenden saßen, und durch die wunderschönen, sonnendurchfluteten Gemächer der Gouverneure. Die Umstände unter denen die Sklaven oft wochenlang leben mussten bevor sie verschifft wurden, waren grauenhaft. Nicht dass ich es anders erwartet hätte. Archäologen haben an der Wand Striche gemalt, bis wohin er Kot gestanden haben muss. Die Striche waren teilweise über ein Meter hoch! Das würde bedeuten, dass die Sklaven bis zum Hals in ihren Ausscheidungen saßen! Das ist unvorstellbar. An einer Stelle haben sie den Bodenbelag bis zum ursprünglichen Boden abgetragen. Die 20 cm Bodenbelag auf denen wir gelaufen sind, bestanden nur aus festgetretenem Kot, Urin, Blut und verrottetem Menschen. Neben den Sklaven kellern gab es einen Kerker für Frauen und einen für Männer. In den Frauenkerker kamen diejenigen, die  sich weigerten mit den britischen Händlern zu schlafen. Diese Frauen bekamen, dann für eine Woche weniger zu Essen als die anderen (noch weniger). Aus dem Männerkerker ist niemand mehr lebend herausgekommen. Dort hin kamen diejenigen, die wiederholt die Sklaventreiber angriffen oder versuchten die anderen gegen sie aufzulehnen. In diesem Kerker war es sehr, sehr  heiß und stockdunkel. Die Gruppe, mit der ich die Führung gemacht habe, wurde nur für wenige Minuten in dem Kerker eingeschlossen und ich hatte ein sehr unangenehmes Gefühl dabei. In diesem Kerker sollten die Sklaven langsam verhungern.
Nahezu lächerlich ist die Kirche, die direkt über den Sklavenkellern der Männer gebaut wurde und die vor dem Eingang ein Guckloch zu dem Keller hatte.
Es war auf jeden Fall eine sehr interessante Führung und die Burg sah, obwohl dort so viel Schreckliches geschah, im Abendlicht wunderschön aus.
Am Abend haben wir wieder sehr gut gegessen, Spagetti mit Pilzcremsoße. Wann bekommt man auch schon mal eine Pilzcremsoße in Ghana! Später sind wir wieder ins Oasis gegangen, wo wir uns mit zwei Australierinnen getroffen haben, die wir am Nachmittag kennen gelernt hatten. Die Australierinnen waren sehr nett und haben mich sehr beeindruckt. Sie arbeiten in einem Dorf in der Volta Region. Im Dorf gibt es keine Toiletten, nur ein Loch im Boden, worauf aber niemand mehr geht, denn es ist voll mit riesigen Käfern und Maden, die einem die Beine hoch krabbeln, während man sein Geschäft verrichtet. Deshalb gehen alle Dorfbewohner im Busch aufs Klo. Die beiden laufen also jeden Tag in den Busch und suchen sich einen noch nicht voll gekackten Baum und hoffen dass sie niemand beobachtet. Man war ich froh über unsere Toilette, die sogar (meistens) abziehen kann.
Im Oasis war an diesem Abend eine Vorstellung von ghanaischem Tanz, was sehr, sehr cool ist. Total schnell und rhythmisch. Wir haben dann auch unsere Freunde vom Vorabend wieder getroffen und uns gut unterhalten. Der eine von ihnen war nämlich schon öfter in Deutschland und kann auch fließend deutsch sprechen. Er ist sehr intelligent und gebildet und man konnte mal wieder ein tiefgründigeres Gespräch führen. Solche Gespräche vermisse ich hier wirklich.
Leider mussten wir am nächsten morgen nach dem Frühstück schon aufbrechen, zurück ins Molloch. Wir sind zum ersten Mal mit dem MMT Bus gefahren, da wir die MMT Station in Kumasi immer noch nicht gefunden haben, aber die Station in Cape Coast war direkt gegenüber vom Baobab. Die MMT Busse sind Reisebusse, die allerdings viel enger sind , denn die Sitze sind in Dreierreihen, allerdings sind sie so schmal, dass da kein durchschnittlicher ghanaischer Hintern drauf passt. Trotzdem fahren wir lieber mit diesen Bussen, denn die Chance, dass der Bus bei einem Unfall mit einem Trotro „heile“ davon kommt ist größer. Wenn man sich die vielen total zerknautschten oder um Bäume gewickelte Trotros am Straßenrand anschaut, fühlt man sich in einem so großen Bus, in dem der Fahrer auch wesentlich vorausschauender fährt, wirklich sicherer. Dieser sichere Bus hatte jedoch gleich nach 10 m einen Unfall. Aber der war nur ganz klein. Wir sind in einen parkenden Bus gefahren. Der andere Bus hatte auch eine ordentlich Beule, aber unser Busfahrer hat nur seinen Seitenspiegel zu Recht geschlagen und ist weiter gefahren. 
                                         im Baobab

                                          Cape Coast Castle
                                   The door of no return



                                            im Oasis